Eine Wärmepumpe kann auch ein älteres Haus zuverlässig beheizen. Ob sie technisch passt und wirtschaftlich überzeugt, entscheidet sich am Wärmebedarf, an den Heizflächen und an den möglichen Wärmequellen, nicht am Baujahr allein.
Das zeigen auch Felduntersuchungen. Im deutschen Projekt WPsmart im Bestand des Fraunhofer ISE wurden 56 bestehende Gebäude mit unterschiedlichem Sanierungsstand untersucht. Die ausgewerteten Luft/Wasser-Anlagen erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,1, die Erdreichanlagen 4,1.
Für Ihr Haus zählen eine konkrete Planung und eine nachvollziehbare Rechnung. Die folgenden Kriterien helfen bei der ersten Einschätzung.
Voraussetzungen für eine Wärmepumpe im Altbau
Diese Punkte sollten zusammen beurteilt werden:
- Heizlast und jährlicher Wärmebedarf des Gebäudes
- Erforderliche Vorlauftemperatur und Leistung der Heizflächen
- Geeignete Wärmequelle und zulässiger Aufstellort
- Platz, Stromanschluss und Einbindung der Warmwasserbereitung
- Bewilligung, Lärmschutz und kantonale Energievorschriften
- Investition, Förderung und erwartete Gesamtkosten
Eine niedrige Vorlauftemperatur hilft der Effizienz. Ein hoher Wärmebedarf bleibt jedoch auch bei gut funktionierender Wärmepumpe ein wichtiger Kostenfaktor.
Dämmung und Vorlauftemperatur sind entscheidend für eine Wärmepumpe im Altbau
Eine bessere Dämmung senkt den Wärmebedarf und kann niedrigere Vorlauftemperaturen ermöglichen. Ob zusätzliche Dämmmassnahmen nötig sind, wird für das konkrete Gebäude geprüft. Wollen bzw. müssen Sie hier nachrüsten, ist es am effizientesten, mit der Keller- und der obersten Geschossdecke zu beginnen. Belohnt werden Sie mit niedrigeren Vorlauftemperaturen sowie einer geringeren Betriebslast für die Wärmepumpe.
Je tiefer die benötigte Vorlauftemperatur ist, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe - sprich sie hat einen tieferen Stromverbrauch. In sehr vielen Fällen wird mit Radiatoren und einer korrekten Einstellung nicht mehr als 50°C benötigt. Dies wird zum Beispiel mit gleichmässigem Heizen erreicht. Wärmepumpen erreichen nach heutigem Standard bei -7°C Aussentemperatur eine Vorlauftemperatur von bis zu 60-65°C.
Wärmepumpe im Altbau: Auch Heizkörper können geeignet sein
Eine Fussbodenheizung gibt die Wärme über grosse Flächen ab und kommt deshalb oft mit niedrigen Temperaturen aus. Bestehende Radiatoren sind aber kein Ausschlusskriterium. Entscheidend ist, ob sie die benötigte Leistung bei einer passenden Vorlauftemperatur bereitstellen.
Prüfen Sie zunächst Heizkurve und hydraulische Verteilung. Wenn einzelne Räume mehr Wärme benötigen, kann ein grösserer Heizkörper dort genügen. Eine nachgerüstete Fussboden- oder Wandheizung kann bei einer ohnehin geplanten Sanierung sinnvoll sein.
Platz, Wärmequelle, Stromanschluss und Verfahren
Bei einer aussen aufgestellten Luft/Wasser-Wärmepumpe bleibt im Haus Platz für Hydraulik und gegebenenfalls Speicher nötig. Eine vollständig innen aufgestellte Anlage braucht zusätzlich ausreichend grosse Luftwege ins Freie. Die Anforderungen hängen vom konkreten Gerät ab.
Für eine Erdsondenanlage müssen Bohrzugang, Untergrund und Bewilligungsfähigkeit geprüft werden. Eine kantonale Zulässigkeitskarte ist ein erster Anhaltspunkt, ersetzt aber nicht die projektbezogene Bewilligung. Die nötigen Abstände und Einschränkungen richten sich nach Standort und Recht. Den Ablauf erklärt unser Ratgeber zur Erdsondenbohrung.
Der Elektrofachbetrieb klärt Anschlussleistung, ein- oder dreiphasigen Anschluss und Anforderungen des Netzbetreibers. Ein separater Wärmepumpentarif oder eine Steuerung durch den Netzbetreiber sind örtlich zu prüfen.
Ob ein Pufferspeicher erforderlich ist, hängt von Hydraulik, Mindestvolumenstrom und Regelkonzept ab. Er ist nicht in jedem Altbau automatisch nötig. Sprechen Sie uns gerne an.
Test: Ist Ihr Altbau für Wärmepumpen geeignet?
Ein Versuch an Ihrer bestehenden Heizung kann zeigen, ob die Räume mit geringerer Vorlauftemperatur warm bleiben.
- Wählen Sie eine kalte, für den Standort aussagekräftige Wetterperiode.
- Lassen Sie prüfen, ob und wie die Heizkreistemperatur am vorhandenen System abgesenkt werden darf. Eine Änderung am Heizkreis darf nicht die nötige Kessel-Mindesttemperatur oder die Warmwasserhygiene unterschreiten.
- Als erster Versuch kann eine Vorlauftemperatur von etwa 50 bis 55 °C dienen. Beobachten Sie über ein bis zwei Tage, ob alle Räume die gewünschte Temperatur erreichen.
- Notieren Sie Aussen-, Vorlauf- und Raumtemperaturen sowie auffällige Räume.
Ein positives Ergebnis spricht für geeignete Heizflächen unter diesen Bedingungen.
Welche Wärmepumpe passt zum Altbau?
Die effektivste Variante stellt die Sole/Wasser-Wärmepumpe dar. Wenn also die Voraussetzungen für eine Erdsondenbohrung gegeben sind, wird diese empfohlen. Doch auch der Einbau einer Luft/Wasser-Wärmepumpe ist denkbar und lässt sich oft sowohl als Innen- wie auch als Aussenaufstellung realisieren.
Welche Wärmepumpe für Ihren Altbau die optimale Wahl ist, hängt letztlich aber von den baulichen Gegebenheiten ab sowie von Ihren persönlichen Vorstellungen und Ihrer Investitionsbereitschaft. Lassen Sie sich gerne von unseren Wärmepumpen-Experten beraten!
Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau?
Eine Wärmepumpe inklusive Einbau kostet ungefähr:
Fördergelder und Steuervorteile sind nicht abgezogen und senken Ihren Investitionsbetrag teils erheblich.
Wärmepumpe mit bestehender Öl- oder Gasheizung kombinieren
Wärmepumpen haben einen weiteren Vorteil: Sie lassen sich mit bestehenden Heizsystemen (auch mit Gas- und Ölheizungen) reibungslos kombinieren, was man einen bivalenten Betrieb nennt. Dies ermöglicht, dass Wärmepumpenheizungen nicht die alleinige Heizlast Ihres Gebäudes zu tragen haben, was gerade in (schlechter isolierten) Altbauten von grossem Vorteil sein kann. Vor allem dann, wenn Ihre alte Heizung noch intakt und in den nächsten Jahren nicht ausgetauscht werden müsste, ist eine Hybridlösung (Brennwertheizung plus Wärmepumpe) eine mögliche Wahl.
In der Praxis sieht das so aus, dass Ihre Wärmepumpe den überwiegenden Teil der Heizlast abdeckt. Nur in den kalten Monaten schalten Sie Ihre Brennwertheizung dazu, um Stromkosten zu sparen – oder wenn die Leistung nur über Wärmepumpenbetrieb nicht mehr ausreichen würde. Für diese Konstellation empfiehlt sich insbesondere die Luft/Wasser-Wärmepumpe.
Der nächste Schritt
Für eine belastbare Entscheidung braucht es Ihre Verbrauchsdaten, die Beurteilung von Heizflächen und Gebäude sowie eine Prüfung von Standort und Wärmequelle. Erst daraus lassen sich geeignete Anlagen und nachvollziehbare Kosten ableiten.
Eine Kombination mit Photovoltaik kann zusätzlich Netzstrom ersetzen, soweit Ertrag und Verbrauch zusammenpassen.
Einblick in ein umgesetztes Projekt gibt der Erfahrungsbericht der Familie Wülfert aus Dornach. Den Einstieg für Ihr Haus machen Sie mit dem Wärmepumpen-Check.
















































