Heizung und Warmwasser sind in Schweizer Haushalten die grössten Energieposten. Für 2024 weist eine Analyse im Auftrag des BFE rund 65 Prozent für Raumwärme und 15 Prozent für Warmwasser aus. Haushaltsgeräte und Beleuchtung teilen sich den übrigen Anteil.
Wer sparen will, sollte deshalb zuerst den eigenen Verbrauch kennen: Welche Energiemengen kaufen Sie ein, wie viel davon benötigt die Heizung und wo entstehen vermeidbare Verluste? Danach lassen sich Einstellungen, kleinere Verbesserungen und grössere Sanierungen sinnvoll aufeinander abstimmen.
Wo die Energie im Haushalt hingeht
Die BFE-Analyse zum Energieverbrauch der privaten Haushalte 2000 bis 2024 zeigt folgende Verteilung für das Jahr 2024:
Die Anteile sind gerundet und modelliert. Die Statistik umfasst auch genutzte Umweltwärme.
Wie ordnen Sie Ihren Energieverbrauch ein?
Haushaltsstrom und Heizungsstrom trennen
Ein Rechenmodell von EnergieSchweiz nennt für einen Vierpersonenhaushalt im Einfamilienhaus rund 4'050 kWh Haushaltsstrom pro Jahr und für zwei Personen in einer Wohnung rund 2'190 kWh.
Wärmebedarf nicht allein aus der Fläche ableiten
Zwei Häuser mit 150 m² können einen sehr unterschiedlichen Wärmebedarf haben. Gebäudehülle, Standort, Nutzung und Raumtemperaturen sind dafür ebenso wichtig wie die Fläche. Ein Gebäudeenergieausweis mit Beratung, der GEAK Plus, hilft bei der Einordnung und der Planung von Sanierungsmassnahmen.
Verwechseln Sie nicht Brennstoffenergie, Wärmeerzeugung und Stromverbrauch der Wärmepumpe. Ein tieferer Stromwert je Quadratmeter ist nicht unmittelbar mit dem Heizöl-Energieeinsatz eines anderen Hauses vergleichbar.
So erfassen Sie Ihre Ausgangslage
- Sammeln Sie Strom-, Gas-, Öl- oder Wärmerechnungen mehrerer Jahre.
- Trennen Sie Haushaltsstrom, Raumheizung und Warmwasser, soweit die Zähler dies ermöglichen.
- Notieren Sie beheizte Fläche, Bewohnerzahl, Raumtemperaturen und längere Abwesenheiten.
- Vergleichen Sie die Jahre unter Berücksichtigung der Witterung und von Nutzungsänderungen.
Welche Massnahmen lohnen sich zuerst?
Eine allgemeine Rangliste mit festen Prozentwerten wäre irreführend. Ein ungedämmtes Dach, eine verstellte Heizkurve und ein alter Kühlschrank haben unterschiedliche Ausgangslagen und Bezugsgrössen. Einsparungen mehrerer Massnahmen lassen sich nicht einfach addieren.
Als grobe Orientierung nennt die Umweltberatung von Stadt und Kanton Luzern rund 6 Prozent weniger Heizenergie je Grad tieferer Raumtemperatur.
Warmwasser-Energieverbrauch senken
Weniger Warmwasser zu verbrauchen spart Energie. Die dafür erforderlichen hygienischen Temperaturen dürfen dabei nicht unbedacht abgesenkt werden.
Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt zur Begrenzung der Legionellenvermehrung 60 °C am Boilerausgang und 55 °C im Leitungssystem. Wie diese Anforderungen im jeweiligen System umgesetzt werden, muss die Sanitärfachperson beurteilen. Ein pauschales wöchentliches Legionellenprogramm ersetzt kein hygienisch geplantes und betriebenes Warmwassersystem.
Eine vorhandene Zirkulation sollte weder dauerhaft noch nachts einfach zum Sparen abgeschaltet werden. Prüfen lassen sollten Sie insbesondere hydraulischen Abgleich, Dämmung, Temperaturen und das zur Anlage passende Betriebskonzept. Legionellenschutz und allfällige Verbrühschutzmassnahmen sind dabei gemeinsam zu beachten.
Diese Massnahmen setzen am Verbrauch und an Verlusten an:
- Sparsame Duschbrausen und passende Durchflussmengen verwenden.
- Kürzer duschen und unnötigen Warmwasserbezug vermeiden.
- Tropfende Armaturen instand setzen.
- Warmwasserleitungen und Speicher fachgerecht dämmen.
- Eine elektrische Direkt-Warmwasserbereitung gegebenenfalls durch ein passendes Wärmepumpenkonzept ersetzen.
Ein Wärmepumpen-Boiler kann gegenüber einem Elektroboiler Strom sparen. Wie viel, hängt auch davon ab, woher er die Wärme bezieht.
Energieverbrauch der Raumwärme senken
Was Sie direkt umsetzen können
- Raumtemperatur auf den tatsächlichen Bedarf abstimmen, ohne einzelne Räume auskühlen zu lassen.
- Kurz und intensiv lüften statt dauerhaft gekippter Fenster. Dauer und Häufigkeit nach Feuchte und Nutzung richten.
- Radiatoren und Thermostatventile freihalten.
- Fenster- oder Rollläden nachts schliessen, soweit vorhanden und sinnvoll.
Bei deutlich unterschiedlich temperierten Räumen sollten Feuchteschutz und Luftaustausch mitgedacht werden. Eine möglichst tiefe Temperatur ist nicht in jedem Raum das richtige Ziel.
Heizkurve und Wärmeverteilung
Die Heizkurve bestimmt, welche Vorlauftemperatur bei einer bestimmten Aussentemperatur bereitgestellt wird. Ist sie zu hoch, arbeitet das System unnötig heiss. Gerade eine Wärmepumpe profitiert von niedrigen Temperaturen. Ein hydraulischer Abgleich kann helfen, alle Räume mit passenden Wassermengen zu versorgen.
Gebäudehülle verbessern
Welche Fläche zuerst gedämmt werden sollte, hängt von Zustand, Verlusten, Zugänglichkeit und ohnehin fälligen Arbeiten ab. Dach oder oberste Geschossdecke und Kellerdecke können günstige Ansatzpunkte sein; eine feste Reihenfolge für jedes Gebäude gibt es nicht.
Prüfen Sie vor der Umsetzung die Förderung. Der reine Fensterersatz ist keine eigene Einzelmassnahme der regulären Gebäudeprogramm-Dämmförderung. Welche Pakete und weiteren Massnahmen infrage kommen, steht im Ratgeber zum Gebäudeprogramm.
Was der Heizungsersatz am Energieverbrauch verändern kann
Eine Wärmepumpe nutzt Umweltwärme und benötigt für dieselbe Wärmeerzeugung deutlich weniger zugekaufte Energie als eine direktelektrische Heizung. Auch beim Ersatz eines Öl- oder Gaskessels kann der zugekaufte Energieeinsatz stark sinken.
Beispiel mit angenommenen 15'000 kWh Wärmeerzeugung pro Jahr:
Welche Wärmepumpe geeignet ist, ergibt sich aus Heizlast, Heizflächen, Wärmequelle und Standort.
Mit Photovoltaik kombinieren
Eigener Solarstrom kann den Netzbezug senken, soweit Erzeugung und Verbrauch zusammenpassen. Er reduziert nicht automatisch den Strombedarf der Wärmepumpe selbst. Wegen des höheren Heizbedarfs und oft kleineren PV-Ertrags im Winter ist eine Jahresbilanz allein keine Autarkiezusage. Mehr dazu unter Wärmepumpe und Photovoltaik.
In welcher Reihenfolge vorgehen?
- Verbrauch erheben und verständlich aufteilen.
- Offensichtliche Verluste und falsche Einstellungen beheben.
- Gebäude und Heizung gemeinsam beurteilen lassen.
- Massnahmen nach Nutzen, Dringlichkeit und Budget abstimmen.
- Förderung und notwendige Bewilligungen vor Baubeginn klären.
- Wirkung nach der Umsetzung anhand vergleichbarer Daten überprüfen.
Eine Dämmung vor dem Heizungsersatz kann die nötige Heizleistung senken. Ist der alte Wärmeerzeuger nicht mehr zuverlässig, kann der Ersatz früher nötig sein. Die Planung muss dann auch den Zustand vor einer späteren Sanierung abdecken.
Wenn Sie Wärmebedarf, Einstellungen und Heizungsersatz gemeinsam prüfen möchten, ist unser Wärmepumpen-Check ein erster Schritt.
















































